Die Kelten auf dem Titelberg


Die Lage des Ttelbergs nahe der luxemburgisch-französischen Grenze
Der Abstand zwischen zwei Höhenlinien beträgt 25 m (Dok. 2)


Als erstes Volk, das unsere Gegend bewohnte und dessen Namen wir kennen, treten die Kelten aus dem Dunkel der Vorgeschichte hervor.

Die Ausgrabungen auf dem Titelberg geben uns Aufschluß über ihre Lebensweise.


1. DER TITELBERG, EIN KELTISCHES OPPIDUM

Die Ausgrabungen auf dem Titelberg zeigen, daß die Kelten bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. hier eine Siedlung gegründet hatten, ein sogenanntes OPPIDUM (= befestigte Stadt).

Manche Forscher nehmen an, daß der Name "Titelberg" (im Luxemburgischen "Tëtelbierg") aus dem Keltischen stammt und etwa Kleiner Berg, Lehmhüttenberg, Quellenberg, ... bedeutet haben könnte. (Für diese Namensdeutungen - wie auch für diejenigen, die den Ursprung des Namens auf römische Einflüsse zurückführen - gibt es bisher keine eindeutigen Beweise. (Siehe auch Kapitel 3, Fußnote 2)

"Welche Rolle fiel damals dem Titelberg, dem wohl größten oppidum im Anmarschgebiet der Römer zu? Es gibt heute Wissenschaftler, die annehmen, nicht in der Trierer Talweite, sondern auf dem Titelberg sei das bedeutendste Stammeszentrum der Treverer zu suchen.

Wie dem auch sei, eine mächtige Befestigungsanlage stellte der Titelberg jedenfalls dar: ein natürlicher Bergvorsprung, rund 130 m über dem Korntal gelegen, mit einer über 50 ha großen, rings umwallten Hochfläche. Im Südosten, der einzigen bequemeren Zugangsseite, ragt die verstürzte Wehrmauer noch heute an die 10 m empor. Sie war in murus-Gallicus- Technik gebaut. An ihrem Fuß, jetzt etwa 40 m breit verschüttet, lag nach außen hin ein Graben. An dieser Seite befand sich auch das befestigte Tor. (Dok. 4)


2. DIE LAGE

Der Titelberg hatte mehrere Vorzüge für die Anlage eines keltischen Oppidums:


3. DER WALL

Der Wall umschließt, mit geringen Unterbrechungen, auf einer Länge von 2737 m die gesamte Fläche. Er erreicht stellenweise eine Höhe von 10 m und ist heute mit Wald bewachsen. Das Haupttor der Anlage liegt im Südosten, bei Fond de Gras.

Neueste Ausgrabungen haben gezeigt, daß der Wall insgesamt fünfmal neu aufgebaut wurde: Die drei ersten Befestigungen wurden durch Brand zerstört, die vierte stürzte durch Verfaulen der Holzarmierung ein. Der fünfte und letzte Wall wurde wohl nach dem Ende des Gallischen Krieges errichtet.


Murus Gallicus, Rekonstruktion (Dok. 6)

So beschreibt Cäsar den "murus gallicus":

"Die gallischen Mauern haben in der Regel folgende Gestalt: Gerade Bauhölzer werden hintereinander senkrecht [d.h. rechtwinklig] zur Mauerrichtung mit gleichem Zwischenraum etwa zwei Fuß [60 cm] voneinander entfernt auf die Erde gelegt. Sie werden nach innen zu verbunden und mit gewaltigen Erdaufschüttungen verkleidet. Die erwähnten Zwischenräume werden nach außen hin mit großen Felsbrocken ausgefüllt. Wenn dies als Grundlage ausgelegt und festgestampft worden ist, wird eine weitere Schicht oben darauf gesetzt, und zwar so, daß man den gleichen Abstand wahrt, so daß die Bauhölzer nicht miteinander in Berührung kommen, sondern bei gleichem Zwischenraum einzeln für sich liegen, jedoch durch die dazwischen eingelassenen Felsbrocken eng zusammengehalten werden. So wird das ganze Bauwerk zusammengefügt, bis die Mauer auf ihre richtige Höhe gebracht worden ist. Durch das abwechselnde Anbringen von Hölzern und Felsgestein, die in geraden Reihen ordentlich geschichtet sind, wirkt das Bauwerk hinsichtlich seines abwechslungsreichen Aussehens nicht häßlich und besitzt für seinen Zweck und die Verteidigung einer Stadt höchste Eignung, weil die Steine Schutz vor Feuer gewähren und das Holzwerk gegen den Sturmbock Widerstand leistet und weil zudem meist noch 40 Fuß [12 m] lange Querhölzer das Werk nach innen zu verstärken, so daß es weder durchbrochen noch auseinandergezerrt werden kann ..." (Dok. 5)


4. GEBÄUDE

Die Grundrisse der keltischen Bauten sind nicht vollständig erhalten, da sie durch den Bau römerzeitlicher Keller zum größten Teil zerstört worden sind.

J. METZLER (J. Metzler: Beiträge zur Archäologie des Titelbergs, PSH XCI, S. 30-33) beschreibt so zwei Fachwerkhäuser aus der späteren Eisenzeit, deren Überreste bei den Ausgrabungen untersucht wurden:


Rekonstruktionsversuch der Holzhäuser aus der späteren Eisenzeit (Dok. 7)

Die Außenpfosten waren durch ein Geflecht aus fingerdicken Ruten verbunden, welches beidseitig durch einen Lehmputz von mehreren Zentimetern Stärke abgedichtet war. Im Innern des ersten Hauses lagen zwei Feuerstellen. Im zweiten Haus stellte man eine durch Holzpfosten abgeschirmte Kochgrube fest, ebenfalls zwei Feuerstellen und einen kleinen Backofen an der Rückwand. Neben der Hütte fand man einen weiteren kleinen Ofen, um den sehr viel Eisenschlacke lag: Vielleicht stand hier eine Schmiede, in der das mit vielen Unreinheiten durchsetzte Roheisen weiterverarbeitet wurde.


5. DER HANDEL

Tausende von keltischen Münzen, die auf dem Titelberg gefunden wurden, zeugen von regen und weitreichenden Handelsbeziehungen mit etwa 30 verschiedenen Stämmen. (Siehe Karte)

Münzen aus Gold, Silber und Bronze wurden an Ort und Stelle geprägt. Auch wurden Gußformen gefunden, in denen Metallstückchen gegossen, wurden - ein Beweis, daß sich hier eine Münzwerkstätte befunden hat.


6. GEBRAUCHSGEGENSTÄNDE

Neben Eisengeräten jeder Art wurden auch Bronze- und Tongeschirr, Glasringe und Fibeln (Kleiderspangen) gefunden. Schlacken sowie unfertige und fehlerhafte Gegenstände beweisen, daß ein Teil dieser Waren an Ort und Stelle erzeugt wurde.


Verteilungskarte der gallischen Münzen
nach deren Ursprung
(Münzzahl in Klammern)
(Dok. 8)


Der römische Feldherr Julius Cäsar führte von 58 v.Chr. bis 50 v.Chr. zahlreiche Feldzüge gegen die Kelten (oder Gallier, wie die Kelten im heutigen Frankreich, Belgien und Luxemburg hießen).

Im Jahre 53 v.Chr. wurden bei einem solchen Feldzug die Treverer geschlagen, und sie mußten die römische Herrschaft anerkennen. Damit war war ihre Kultur jedoch keineswegs vernichtet:

"Die anpassungsfähigen Gallier lernten von römischen Händlern, Soldaten und Beamten schnell Latein, wenn das Keltische auch als Umgangssprache noch lange im Gebrauch blieb.

Trotz aller Anpassung an das Römische, bleiben unverkennbare Züge des keltischen Wesens und der keltischen Kultur in den lokalen und regionalen Erzeugnissen Galliens die ganze Römerzeit hindurch erhalten. Um dieser eigenartigen Vermischung von einheimischer und römischer Art gerecht zu werden, sprechen wir von der gallo-römischen Kultur." (Dok. 9)