VOTUM
KLIMA
Offener
Brief an den Premierminister Jean-Claude Juncker
Luxemburg, den 16. Juni 2009
Betrifft: EU-Gipfeltreffen am 18.
und 19. Juni / Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen
Sehr geehrter Herr Premierminister,
In weniger als sechs Monaten soll
die internationale Staatengemeinschaft im Rahmen der
UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen über ein Nachfolgeabkommen
des Kyoto-Protokolls entscheiden. Doch die Aussichten, ein solides und
gerechtes internationales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach
2012 zu verabschieden, stehen auf Messers Schneide. Insbesondere die
Verhandlungen über die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen
in Entwicklungsländern, die vom Klimawandel am stärksten
betroffen sind, stecken in einer Sackgasse.
Das EU-Gipfeltreffen am 18. und 19.
Juni ist für die Verhandlungen in Kopenhagen von großer
Bedeutung, da die EU ihre Position bezüglich der Finanzierung von
Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen festlegen wird. Die EU, die
sich bislang als Vorreiterin beim Klimaschutz ausgezeichnet hat, muss
dafür Sorge tragen, dass die internationale Staatengemeinschaft
über die aktuelle Wirtschaftskrise hinausdenkt und sofortige und
weitreichende Maßnahmen beschließt.
Votum Klima, ein Zusammenschluss von
30 luxemburgischen Nichtregierungsorganisationen, möchte Sie
inständig darum bitten, sich beim EU-Gipfel für eine starke
Position der EU in dieser Frage einzusetzen, damit die derzeitige
Blockade bei den Klimaschutzverhandlungen beendet werden kann. Ohne
eine ambitiöse und gerechte Lösung der Finanzierung von
Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in den
Entwicklungsländern wird es kein neues internationales
Klimaschutzabkommen geben. Angesichts der drohenden Folgen des
Klimawandels wäre dies unverantwortlich.
Votum Klima bittet Sie, sich beim
EU-Gipfel dafür einzusetzen, dass
– verbindliche
Finanzierungsmechanismen geschaffen werden, die der Verantwortung der
Industrienationen gegenüber den Entwicklungsländern gerecht
werden und adäquate finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt
werden, die eine weitere Reduktion der Treibhausgasemissionen
fördern;
– die EU sich dazu verpflichtet, ab 2012
einen garantierten und ausreichenden finanziellen Beitrag für die
Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen (Der Beitrag, der
von allen Industrienationen weltweit gemeinsam zur Verfügung
gestellt werden muss, beläuft sich bis 2020 auf
schätzungsweise 110 Milliarden Euro jährlich. Für die EU
ergibt sich ein Anteil von mindestens 35 Milliarden Euro jährlich
bis 2020);
– die finanziellen Mittel für
Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in den
Entwicklungsländern zusätzlich zu der offiziellen
Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt werden müssen.
Sehr geehrter Herr Premierminister,
Der Klimawandel ist heute eine der
größten Bedrohungen, mit denen die Welt konfrontiert ist.
Ein Nicht-Handeln der reichen Nationen würde das Leben von
Millionen von Menschen gefährden. Sofortiges Handeln ist nicht nur
eine wissenschaftlich begründete und moralische Pflicht, sondern
auch die kostengünstigste Option.
Die unterzeichnenden Organisationen
von "Votum Klima" erhoffen von Ihnen und Ihren europäischen
Amtskollegen, dass die EU wieder ihre Rolle als weltweiter Leader beim
Klimaschutz einnehmen wird. Der bevorstehende EU-Gipfel ist eine der
letzten Gelegenheiten, die Klimaschutzverhandlungen aus der
aktuellen Sackgasse herauszuführen und das Zustandekommen eines
neuen weltweiten Klimaschutzabkommens im Dezember in Kopenhagen zu
ermöglichen.
Für die in "Votum Klima"
zusammengeschlossenen Organisationen:
Aide à l'Enfance de l'Inde,
Aktioun
Öffentlechen Transport, Amnesty International Luxembourg,
Association
de Soutien aux Travailleurs Immigrés (ASTI), Action
Solidarité Tiers
Monde (ASTM), Attac, bioLABEL, Église Catholique à
Luxembourg,
Bridderlech Deelen, Caritas Luxembourg, Cercle de Coopération,
Conférence Générale de la Jeunesse
Luxembourgeoise, Comité de Liaison
des Associations d'Etrangers (CLAE), Demeter Bond Lëtzebuerg,
etika -
Initiativ fir Alternativ Finanzéierung, European Anti Poverty
Network
(EAPN) Lëtzebuerg, Eurosolar Lëtzebuerg, Frères des
Hommes, Greenpeace
Luxembourg, Handicap International, d'Haus vun der Natur, Fondation
Hëllef fir d'Natur, Kommission Justitia et Pax, Lëtzebuerger
Natur- a
Vulleschutzliga, Lëtzebuerger Velos-Initiativ, Mouvement
Écologique,
Natura, SOS Faim Luxembourg, TransFair-Minka, UNICEF.
Martina Holbach
Greenpeace Luxemburg
(25.6.2009)