Solidarität in einer Zeit der Krise

Eine Erklärung der Konferenz der europäischen Justitia-et-Pax-Kommissionen

Die Europäische Union hat das Jahr 2010 zum "Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" ausgerufen. Vor dem Hintergrund von Versuchen einer Umgestaltung der gescheiterten und ungerechten Systeme, die die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst haben, gewinnt dieses Thema eine neue Bedeutung. Diese Krise hat das zerstörerische Potenzial eines unregulierten Wirtschaftswachstums sowie von Entwicklungsmodellen, die Fragen von Ungleichheit und von sozialer Gerechtigkeit nicht ansprechen, eindringlich in Erinnerung gerufen. Sie ist die letzte in einer ganzen Reihe von globalen Krisen – darunter die Nahrungsmittel, Wasser, natürliche Ressourcen, Energie, Nuklearwaffen und Klimawandel betreffenden Krisen –, die den Frieden, die Stabilität und die Gerechtigkeit in unserer heutigen Welt bedrohen.

Diese Erklärung der Konferenz der europäischen Justitia-et-Pax-Kommissionen, zu der 29 europäische Länder gehören, richtet sich an alle europäischen Nationen. Wir müssen erkennen, dass unsere einzige Chance, eine langfristige Antwort auf die aktuellen Krisen zu finden, in dem erneuten Bemühen um globale Solidarität und Kooperation liegt. Inspiriert durch das Evangelium und die Soziallehre der katholischen Kirche, wie sie in den letzten Botschaften von Papst Benedikt XVI. zum Ausdruck kam, führen wir an, dass die Grundwerte, die unsere Antwort auf die aktuellen Herausforderungen durchdringen, die Würde des Menschen, das Gemeinwohl und die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen sein müssen.

Von der Frist zur Erfüllung der Millenniumentwicklungsziele sind wir jetzt fünf Jahre entfernt, und alle Versuche der weiter entwickelten Länder, ihre Verpflichtung bis 2015 doch nicht einzuhalten, müssen unterbunden werden. In unserer zunehmend globalisierten Welt werden wir uns der Interdependenz zwischen den Nationen und der Notwendigkeit, auf globaler Ebene für das Gemeinwohl zu arbeiten, immer mehr bewusst; durch den Klimawandel treten diese noch stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig werden die Rechte und die Würde der Schutzbedürftigen in der ganzen Welt jedoch weiterhin durch Handlungen und Politik der weiter entwickelten Nationen bedroht. Die steigende Zuwanderung der Betroffenen in die Staaten der Europäischen Union bringt uns auf sehr konkrete Weise die Herausforderung der Solidarität näher.

Es gibt aber auch Zeichen der Hoffnung. Vor allem sollten wir nicht unsere eigene Fähigkeit unterschätzen, Veränderungen herbeizuführen. Auch wenn die gegenwärtigen Probleme nach globalen Lösungen verlangen, haben wir alle die Möglichkeit, uns auf verschiedenen Ebenen für das Gemeinwohl einzusetzen: durch politische Aktionen, durch unseren Lebensstil und durch unsere täglichen zwischenmenschlichen Beziehungen und Kontakte. Auf europäischer Ebene bietet unsere Antwort auf die Finanzkrise die Gelegenheit, unsere Wirtschaftspolitik zu überprüfen und zu ändern.

Mit diesen Gedanken richtet die Konferenz der europäischen Justitia-et-Pax-Kommissionen einen Appell an alle europäischen Staaten, folgende Schritte zu unternehmen:

Februar 2010



Die Luxemburger Kommission "Justitia et Pax" ist Mitglied der Konferenz der europäischen Justitia-et-Pax-Kommissionen (Justitia et Pax Europa), die 31 nationale Kommissionen umfasst.



Die Erklärung "
Solidarität in einer Zeit der Krise" herunterladen

En français:
Solidarité en temps de crise
Un message de la Conférence des Commissions Justice et Paix d'Europe 


(24.2.2010)

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